Warum Gröhe lieber von „Individualisierter Medizin“ spricht
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Warum Gröhe lieber von „Individualisierter Medizin“ spricht

Große Mengen von Patientendaten für Forschung und Versorgung nutzen? Das stößt bei vielen auf Bedenken. Auf dem Digital-Gipfel gab sich ein prominentes Panel unisono: Neben der Technik müsse auch der Umgang mit Ängsten modernisiert werden.

Von Jana Kötter

LUDWIGSHAFEN. Damit Big Data flächendeckend in die Patientenversorgung Einzug hält, ist einerseits die entsprechende technische Infrastruktur nötig. Andererseits ist dafür aber auch ein „Kulturwandel“ bei Ärzten und Patienten gefragt. Darüber herrschte bei einer Podiumsdiskussion auf dem Digital-Gipfel der Bundesregierung, der sich in diesem Jahr der Digitalisierung im Gesundheitswesen verschrieben hat, Einigkeit.

Das Thema Big Data sei in der Bevölkerung mit großen Ängsten verbunden, betonte Bundesforschungsministerin Professor Johanna Wanka (CDU). Jeder Zweite wisse zwar nicht, was sich hinter dem Begriff verbirgt, gebe in Umfragen aber an, Angst davor zu haben. „Hier müssen wir gezielt Vertrauen erzeugen“, so Wanka. „Das ist auch mit einer entsprechenden Kommunikation, etwa im Arzt-Patienten-Gespräch, verbunden.“

„Individualisierter Medizin“ statt „Big Data“

Für Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) schlägt sich dies bereits in der Wortwahl nieder: Er spreche lieber von „individualisierter Medizin“ als von „Big Data“, auch weil sich die Patienten darunter mehr vorstellen könnten. „Bei ,Big Data‘ schwingt für viele der ,Big Brother‘ mit. Die Angst vor einer Überwachung ist groß“, beobachtet Gröhe. Gleichzeitig sei ein bedeutender Teil der Bürger bereit, Gesundheitsdaten zur Verfügung zu stellen – insbesondere im Fall einer eigenen Erkrankung.

Eine Blitzumfrage unter den Gästen des Digital-Gipfels wies in dieselbe Richtung: So haben fast 200 Besucher spontan über ihr Smartphone über die Frage abgestimmt, ob sie sich gar einen Chip implantieren lassen würden, um Gesundheitsdaten fortlaufend zu kontrollieren und den Arzt zu informieren.

Während sich deutliche Entschlossenheit und Ablehnung die Waage hielten (beide etwa 40 Stimmen), gaben fast 110 Besucher die Antwort „Nur bei einer schweren Erkrankung“.

Dabei komme der Kommunikation vor allem dann eine immense Rolle zu, wenn Präzisionsmedizin etwa die Ablehnung einer Therapie bedeute. „Wir sprechen immer über die positiven Aspekte von Big Data“, sagte Professor Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT). „Dabei kann Präzisionsmedizin im Falle einer solchen Ablehnung auch deutlich negativ konnotiert sein.“

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