Big Data: „Es gibt kein Zurück“
Big-Data Es gibt kein Zurück

Big Data: „Es gibt kein Zurück“

Immer größere digitale Spuren und stärkere Algorithmen enthüllen intimste Persönlichkeitsmerkmale. Privatsphäre gibt es nicht mehr, erklärt Michal Kosinski beim Global Media Forum. Wir sollten uns darauf einstellen.

DW: Michal Kosinski, Sie erklären die Privatsphäre für verloren. Der Rohstoff der Zukunft sind persönliche Daten; die Geschäftsmodelle der Zukunft basieren auf ihrer Ausbeutung. Was kann die Gesellschaft tun, damit die Vorteile von Big Data allen zu Gute kommen und nicht allein einer Handvoll von Silicon Valley Technologie-Giganten?

Michal Kosinski: Wenn man eine Flut nicht verhindern kann, muss man Wege finden, um den Schaden zu begrenzen und den Nutzen zu erhöhen: Baue dein Haus auf Stelzen! Benutze die Flut, um deine Felder zu düngen! Ich bin nicht glücklich darüber, dass wir unsere Privatsphäre verlieren. Aber je früher wir einsehen, dass wir nichts dagegen unternehmen können, umso eher denken wir darüber nach, wie wir eine Post-Privatsphären-Welt zu einem lebenswerten Ort machen können – und desto besser wird unsere Zukunft.

Man kann etwas unternehmen: In einer toleranten Gesellschaft kümmert es niemanden, was meine Persönlichkeitsmerkmale sind. Warum sollte ich vorhersagen, ob du schwul bist oder nicht, wenn man das nicht gegen dich verwenden kann? In einer gebildeten Gesellschaft ist es schwerer, Menschen zu manipulieren, damit sie an Verschwörungstheorien glauben oder nicht zur Wahl gehen. In einer Gesellschaft von Gleichen ist es sehr viel schwerer für einige Leute, andere Menschen auszunutzen.

Einer der Gründe für unsere Forschung liegt darin, potenzielle Risiken für die Privatsphäre zu erkennen. Aber es ist egal, ob wir diese Forschung betreiben oder nicht: Es wird Firmen nicht davon abhalten, in die Privatsphäre der Leute einzudringen. Die von uns entwickelten Modelle werden für große Unternehmen nichts Neues sein. Ich weiß mit Sicherheit, dass sowohl Regierungen als auch kommerzielle Unternehmen, intensiv an Modellen arbeiten, um anhand des digitalen Fußabdrucks Persönlichkeitsmerkmale zu enthüllen und zukünftiges Verhalten vorherzusagen.

Auf dw.de weiterlesen…